Was seid ihr Worte für mich?

Dies war ein leuchtend heller Tag.

Ich hab' mir Urlaub genommen für heute. Ich frühstückte im Sonnenschein im Schlossgarten Stuttgarts. Für Regenerations-Training wählte ich Schwimmen im Freibad aus. Mein Bruder wohnte mir bei und es wurde viel gesprochen. Den Sonnenschutz hatte ich ganz vergessen, bin krebsrot am Rücken. Habe wieder viel Gitarre gespielt. Ich will besser werden. Einkaufen ging ich heute kurz vor Mitternacht in Shorts und Trägershirt.

Dies war doch ein schöner Tag.

Ich bin noch immer unglücklich.

Seit November 2015 habe ich eine Zeit voller Tänze auf Clubs und Partys durchlebt. In den ersten Monaten war ich in der schwarzen Szene unterwegs. Ich kam vom Future Pop und EBM zum Aggrotech und von dort in die Techno- und House Szene. Ich habe so viel getanzt in den letzten anderthalb Jahren. Ich habe getanzt, bis ich keine Luft mehr bekam. Ich habe getanzt, bis in meine Muskeln sich nicht mehr bewegen konnten, weil ich nicht schnell genug Sauerstoff aufnehmen konnte. Jede Nacht endete damit, dass ich klatschnass und zufrieden das Event verließ. Ich kam immer früh und tanzte drei bis vier Stunden durch. Szenetänze, Melbourne Shuffle, Rebolation. Und das, ohne jemals irgendwelche Substanzen einzunehmen.

Nachdem ich Lara verloren habe, war dies mein Kompensat. Tanzen ist wie singen, weil es mich ähnlich glücklich macht. Vielleicht, weil ich mich damit auch ausdrücken kann. Es strömt aus mir, was in mir war. Ich vernichte mich selbst bis zur Erschöpfung, so oft es geht; seit ich alleine bin. Und wenn mir das Tanzen dazu nicht dient, ist es der Sport. Mein Körper ist zweimillionenmal schwächer als meine reißenden Gefühle, spätestens dann, wenn meine Muskeln bei diesem letzten Klimmzug versagen, aber mein Inneres noch zetert und wütet.

Ich bin eine Körper-Seele-Einheit. Und ich muss mich fertig machen, immer wieder erneut.

Seit sie weg ist, ist mein Leben vollständig verändert worden. Ich bin alleine. Ich habe vieles ausprobiert an neuen Dingen. Ich habe gelernt, dass es glücklich macht, neue Sachen zu machen. Immer dasselbe zu praktizieren ist der Tod und das Unglück. Ich bin weiterhin alleine. Ich habe Angst, weil ich glaube, dass etwas mit mir nicht stimmt. Ich bin nun lange alleine und zum ersten Mal in meinem Leben ist irgend etwas daran anders. Ich glaube, ich muss diesen Weg alleine weitergehen, bis zum Ende. Ich habe wenigen Auserwählten von meinem Weg erzählt. Was nun folgt ist das Verständnis dafür, dass ich ihn alleine gehen muss. Ich bin imposant geworden auf diesem Weg und ich habe viel gelernt. Ich werde besser werden, und ich werde Kunst schaffen. Es dauert, aber es geht voran. Ich werde niemanden mehr finden, der mich versteht. Und ich bin alleine noch immer unglücklich. Ich dachte es würde sich ändern. Aber ich verstehe nun, dass ich vor mir selbst nicht fliehen kann. Wie sehr ich mich auch immer weiterentwickeln werde, ein großer Teil meiner Seele ist ein sternenbehangener Firmament, angefüllt mit Schwermut. Und das große Glück in mir trennt sich davon durch eine unsäglich kontrastreiche Grenzlinie, denn die Übergänge von Schwermut zu Glück gleichen einem Fortgespültwerden von einer allzukräftigen Woge.

Ich habe gerade das Gefühl, dass ein schwarzes Loch in mir viel kleiner wurde.
Was seid ihr Worte für mich?

17.5.17 01:50
 


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